Haftung des Erben für Nachlassverbindlichkeiten.
Durch die Erbschaft geht das gesamte Vermögen des Erblassers auf den oder
die Erben über.
Die Erben erhalten aber nicht nur das Vermögen, sondern auch die Schulden
des Erblassers.
Der Erbe tritt in die Schuldnerstellung des Erblassers
Grundsätzlich haftet der Erbe für Nachlassverbindlichkeiten unbeschränkt
und auch mit seinem eigenen Vermögen (unbeschränkte Erbenhaftung).
Zu den Nachlassverbindlichkeiten gehören neben den vom Erblasser herrührenden
Schulden auch die Verbindlichkeiten aus Pflichtteilsrechten, Vermächtnissen
und Auflagen.
In bestimmten Fällen ist die Erbenhaftung jedoch auf den Nachlass beschränkt (beschränkte Erbenhaftung), und zwar:
Nachlassverwaltung oder Nachlassinsolvenzverfahren muss der Erbe beim Nachlassgericht
beantragen.
Durch das jeweilige Verfahren erfolgt zugunsten des Erben eine Trennung der
Vermögensteile.
Der Erbe haftet für Verbindlichkeiten des Erblassers nur noch mit dem Erbe,
ist aber auch über das Erbe nicht mehr verfügungsberechtigt.
Eine weitere Beschränkungsmöglichkeit ergibt sich aus der so genannten Dürftigkeitseinrede des Erben. Voraussetzung ist, dass der Wert des Nachlasses zu gering sein wird, um die Kosten einer Nachlassverwaltung oder eines Nachlasskonkurses zu decken (§ 1990 BGB).
Steht das Erbe mehreren Erben zu (Erbengemeinschaft), bestehen für die
Erbenhaftung einige Besonderheiten.
Die Miterben sind Gesamtschuldner der gemeinschaftlichen Nachlassverbindlichkeiten
(§ 2058 BGB).
Vor der Teilung des Nachlasses hat der Nachlassgläubiger zwei Möglichkeiten, um seine Rechte durchzusetzen:
Nach der Teilung des Nachlasses kann der Nachlassgläubiger nur noch die Gesamtschuldklage
erheben, weil die Gesamthandsgemeinschaft aufgelöst ist.
Der einzelne Miterbe haftet dann grundsätzlich in voller Höhe mit seinem gesamten
Vermögen (Ausnahmen: §§ 2060, 2061 BGB)
Der Erbe kann seine Beschränkungsmöglichkeit der Haftung aber auch wieder verlieren, wenn er seiner Verpflichtung zur Errichtung eines Inventars (Aufstellung einer Liste mit allen Nachlassgegenständen und Vermögenswerten) nicht fristgemäß nachkommt.
siehe hierzu auch:
Lexikon:
Annahme der Erbschaft
Einrede
Erbe
Erbengemeinschaft
Erbfolge
Erbschaft
Erbrecht
Gesamthandsgemeinschaft
Minderjährigenhaftungsbeschränkung
Nachlassverbindlichkeiten
Nachlassverwaltung
Universalsukzession
Ratgeber:
Erbvertrag
Eheliches Güterrecht und Ehevertrag Teil 1
Gemeinschaftliches Testament
Verfügungen, Pflichtteil und Erbverzicht
Eigenhändiges und öffentliches Testament
Gesetzliche Erbfolge und gesetzliches Ehegattenerbrecht
Norm:
§ 1967 BGB